Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
 Universitätsmedizin Leipzig

Klassifikation der Vigilanzregulation

Projektmitarbeiter

S. Olbrich, C. Sander, K. Wilk, M. Trenner, Ch. Bader, F. Schmidt, PD Dr. P. Schönknecht, Prof. Dr. U. Hegerl

Hintergrund

Patienten mit psychiatrischen Erkrankungen unterscheiden sich hinsichtlich der Dynamik ihrer Vigilanzregulation. Mit dem Elektroenzephalogramm (EEG) können beim Übergang vom aktiven Wachzustand zum Beginn des Leichtschlafs verschiedenen EEG- Vigilanzstadien unterschieden werden. Unter Ruhebedingung bei geschlossenen Augen kann der spontane Übergang zwischen diesen Stadien beobachtet werden, wobei sich hierbei in Abhängigkeit von Diagnose und Krankheitszuständen deutliche Unterschiede finden: Im Rahmen depressiver Episoden ist häufig ein stabiles A-Stadium ohne physiologischen Vigilanzabfall innerhalb der ersten 10 Untersuchungsminuten im Sinn eines rigiden Regulationstyps zu beobachten. Patienten mit manischen Syndromen hingegen zeigen oft bereits nach wenigen Sekunden einen Wechsel (Vigilanzabfall) in B-Stadien im Sinn einer labilen Regulation, der mit dem Auftreten von Schlafspindeln kombiniert ist. Die neurobiologischen Mechanismen dieser Vigilanzregulationsstörung sind bislang ungeklärt.

Zielstellung

In dem Projekt soll systematisch der Indikatorwert von Auffälligkeiten der EEG-Vigilanzregulation für verschiedene psychiatrische Erkrankungen untersucht werden.

Grundlegend ist dazu ist eine Abgrenzung physiologischer interindividueller EEG-Vigilanzschwankungen von pathologischen Veränderungen. Daher beabsichtigen wir, neben den in der Klinik an Patienten abgeleiteten Routine-EEGs, auch eine repräsentative Stichprobe von gesunden Kontrollpersonen einer Untersuchung ihrer EEG-Vigilanzregulation zu unterziehen, und eine entsprechende Datenbank aufzubauen.

Um eine spätere wissenschaftlichen Auswertung zu ermöglichen, werden standardisiert sowohl bei Patienten und auch bei Kontrollpersonen weitere Informationen über die Psychopathologie, die Persönlichkeit und das Schlafverhalten erhoben.

In dem vorliegenden Projekt sollen folgende Hypothesen geprüft werden:

  1. Bei Patienten mit manischen Episoden liegt im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen eine labile Vigilanzregulation vor. Diese Labilität ist durch einen überdurchschnittlich schnellen Abfall in B-Stadien der EEG-Vigilanz charakterisiert.
  2. Bei Patienten mit depressiven Episoden liegt im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen eine rigide Vigilanzregulation vor. Diese Rigidität ist durch ein überdurchschnittlich langes Verharren in A-Stadien der EEG-Vigilanz charakterisiert.
 
Letzte Änderung: 18.10.2011, 16:34 Uhr
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